{"id":3806,"date":"2021-04-21T14:00:00","date_gmt":"2021-04-21T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerpraxis.net\/?p=3806"},"modified":"2021-03-23T13:37:10","modified_gmt":"2021-03-23T12:37:10","slug":"gemischt-genutzte-gebaeude-wie-wird-die-vorsteuer-aufgeteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerpraxis.net\/de\/2021\/04\/21\/gemischt-genutzte-gebaeude-wie-wird-die-vorsteuer-aufgeteilt\/","title":{"rendered":"Gemischt genutzte Geb\u00e4ude: Wie wird die Vorsteuer aufgeteilt?"},"content":{"rendered":"\n<h4>Bei gemischt genutzten Geb\u00e4uden mit erheblichen Ausstattungsunterschieden m\u00fcssen die Vorsteuerbetr\u00e4ge nach dem objektbezogenen Umsatzschl\u00fcssel aufgeteilt werden. Der Bundesfinanzhof best\u00e4tigt insoweit seine bisherige Rechtsprechung.<\/h4>\n<h4>Hintergrund<\/h4>\n<p>Die X-KG errichtete in den Jahren 2009 und 2010 einen Geb\u00e4udekomplex (&#8222;Stadtteilzentrum&#8220;). Dazu geh\u00f6rten ein umsatzsteuerpflichtig verpachteter Supermarkt und eine umsatzsteuerfrei vermietete Wohnanlage. Zur Vorsteueraufteilung w\u00e4hlte sie in ihren Umsatzsteuer-Erkl\u00e4rungen zun\u00e4chst den Fl\u00e4chenschl\u00fcssel, sodass nur rund 1\/3 der Vorsteuer abziehbar war. Das Finanzamt folgte zun\u00e4chst dieser Aufteilung. Sp\u00e4ter machte X geltend, dass wegen der stark unterschiedlichen Ausstattung der Geb\u00e4udeteile der Umsatzschl\u00fcssel anzuwenden war, sodass X rund die H\u00e4lfte der Vorsteuer abziehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Sowohl Finanzamt als auch Finanzgericht lehnten die Anwendung des Umsatzschl\u00fcssels ab. Sie hielten den Fl\u00e4chenschl\u00fcssel f\u00fcr sachgerecht, da die Eingangsbez\u00fcge trotz der erheblichen Ausstattungsunterschiede von Supermarkt und Wohnanlage im Wesentlichen gleichartig waren.<\/p>\n<h4>Entscheidung<\/h4>\n<p>Der Bundesfinanzhof war anderer Ansicht und hob das Finanzgerichtsurteil auf. Denn bei erheblichen Unterschieden in der Ausstattung der R\u00e4umlichkeiten ist nicht der Fl\u00e4chenschl\u00fcssel, sondern der objektbezogene Umsatzschl\u00fcssel sachgerecht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Aufteilung gelten folgende Grunds\u00e4tze:<\/p>\n<p>In einer ersten Phase (Phase der direkten und unmittelbaren Zuordnung) sind die auf der Eingangsstufe erworbenen Gegenst\u00e4nde und Dienstleistungen zun\u00e4chst den verschiedenen Ausgangsums\u00e4tzen zuzuordnen. F\u00fcr die Herstellungskosten ist davon auszugehen, dass nicht ein bestimmter Geb\u00e4udeteil, sondern ein bestimmter Prozentsatz des Geb\u00e4udes f\u00fcr steuerpflichtige bzw. steuerfreie Ums\u00e4tze genutzt wird. Eine r\u00e4umlich-gegenst\u00e4ndliche Zuordnung scheidet hier aus. Denn bei einem sp\u00e4teren Tausch solcher R\u00e4ume (der zu keiner prozentualen \u00c4nderung der Quote f\u00fchrt) besteht keine M\u00f6glichkeit zur Vorsteuerberichtigung.<\/p>\n<p>In einer zweiten Phase (Aufteilung der in Phase 1 nicht direkt und unmittelbar zugeordneten Vorsteuerbetr\u00e4ge) ist bei der Errichtung eines gemischt genutzten Geb\u00e4udes grunds\u00e4tzlich eine Vorsteueraufteilung nach dem objektbezogenen Fl\u00e4chenschl\u00fcssel vorzunehmen. Bestehen aber erhebliche Unterschiede in der Ausstattung der verschiedenen Zwecken dienenden R\u00e4ume oder ist eine Aufteilung nach dem Fl\u00e4chenschl\u00fcssel aus sonstigen Gr\u00fcnden nicht pr\u00e4ziser, sind die Vorsteuerbetr\u00e4ge nach einem (objektbezogenen) Umsatzschl\u00fcssel aufzuteilen.<\/p>\n<p>Die Annahme des Finanzgerichts, dass die Eingangsleistungen nach dem Fl\u00e4chenschl\u00fcssel aufzuteilen sind, weil sich die Eingangsleistungen gleichm\u00e4\u00dfig auf die Fl\u00e4chen verteilten, widerspricht dieser Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs. Dabei hat das Finanzgericht auch nicht ausreichend beachtet, dass die Aufteilung der Eingangsleistungen f\u00fcr die Errichtung prozentual und nicht r\u00e4umlich-gegenst\u00e4ndlich vorzunehmen ist. Dies verbietet die Betrachtung von konkreten Baukosten einzelner konkreter Teile des einheitlichen Geb\u00e4udes, weil keine Berichtigung vorzunehmen ist, wenn z. B. sp\u00e4ter R\u00e4ume getauscht werden, ohne dass sich der prozentuale Anteil der steuerpflichtigen Nutzung \u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der Fl\u00e4chenschl\u00fcssel ist dar\u00fcber hinaus nur anzuwenden, wenn er pr\u00e4ziser ist als ein Umsatzschl\u00fcssel. Der Bundesfinanzhof hat dies dahingehend pr\u00e4zisiert, dass dies nur dann gilt, wenn der Fl\u00e4chenschl\u00fcssel nicht nur genauer ist als der Gesamtumsatzschl\u00fcssel, sondern auch genauer ist als ein objektbezogener Umsatzschl\u00fcssel.<\/p>\n<p>Der Bundesfinanzhof verwies die Sache an das Finanzgericht zur\u00fcck, da die H\u00f6he der Vorsteuerbetr\u00e4ge und das Vorliegen entsprechender Rechnungen unklar geblieben waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei gemischt genutzten Geb\u00e4uden mit erheblichen Ausstattungsunterschieden m\u00fcssen die Vorsteuerbetr\u00e4ge nach dem objektbezogenen Umsatzschl\u00fcssel aufgeteilt werden. 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